DEUTSCH-BALTISCHE GESELLSCHAFT

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Erforschen – Bewahren – Überliefern

Kulturpreis 2015

Mit der Verleihung ihres Kulturpreises ehrte die Deutsch-Baltische Gesellschaft bei ihrem Festakt am 29. Mai in Darmstadt zwei Persönlichkeiten, die sich herausragende Verdienste um die Pflege ihres kulturellen Erbes erworben haben: Dr. Imants Lancmanis und Prof. Dr. Michael Garleff. Die Wahl eines lettischen Kunstwissenschaftlers und eines deutschen Historikers steht zugleich exemplarisch für die engen Kulturbeziehungen zwischen Deutschland und dem Baltikum, die zahlreiche deutsch-baltische Vereinigungen pflegen.

In der Verleihungsurkunde für Dr. Imants Lancmanis werden „seine herausragenden Verdienste um die Erhaltung, Erforschung und Präsentierung deutsch-baltischer Kulturzeugnisse“ gewürdigt.

Schon seine erste berufliche Tätigkeit verband Imants Lancmanis mit der Sommerresidenz der Herzöge von Kurland auf Schloss Ruhenthal. An dieser Zweigstelle des Kunstund Heimatmuseums Bauske wurde er wissenschaftlicher Mitarbeiter und übernahm 1966 ihre Leitung. Als sie 1972 zum selbständigen Museum avancierte, wurde er 1975 ihr Direktor.

Das unter Herzog Ernst Johann Biron von Kurland 1740 von Bartolomeo Rastrelli geschaffene Ensemble gilt als Meisterwerk profaner Barockarchitektur. Dass es erhalten blieb und restauriert wurde, ist ein Meisterwerk von Imants Lancmanis. Gemeinsam mit seiner früh gestorbenen Frau Ieva und einem Team engagierter Wissenschaftler verhalf er ihm zu neuem Glanz. – Seine besondere Liebe gilt den Kunstund Baudenkmälern Lettlands aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Er erforschte und dokumentierte sie, beriet und half bei der Restaurierung und sicherte zahlreiche Schätze in seinem Museum vor Verlust. In der Okkupationszeit ließ er missliebige Wissenschaftler an seiner Arbeit teilhaben, unterhielt intensive Kontakte zu Museen, Archiven und Restaurationswerkstätten in Ost und West. Gar nicht selbstverständlich waren auch seine Verbindungen zu deutschbaltischen Familien, die seinem Museum Archivalien zukommen ließen, die für die Denkmalpflege und Familienforschung in Lettland Bedeutung haben.

Über seine kunsthistorischen Forschungen geben zahlreiche Veröffentlichungen in Monographien, Ausstellungskatalogen, Fachzeitschriften und der Schriftenreihe zu Lettlands Schlössern und Herrensitzen Auskunft. Eine andere Seite seines weit gespannten künstlerischen Schaffens zeigen Gemäldeausstellungen wie Persönliche Zeit.

Imants Lancmanis ist national und international hoch angesehen und hat bedeutende Auszeichnungen erhalten. Mit der Verleihung ihres Kulturpreises wollen die Deutschbalten ein bescheidenes Zeichen ihrer Dankbarkeit für seine unermesslichen Verdienste um die Bewahrung auch ihres Kulturerbes setzen.

Prof. Dr. Michael Garleff wurde „für seine herausragenden Verdienste um die Erforschung der deutsch-baltischen Kultur und Geschichte und die Pflege ihres kulturellen Erbes“ geehrt. Von Beginn seiner wissenschaftlichen Tätigkeit an steht die Geschichte des Baltikums im Fokus seines Interesses. Aus der Fülle seiner Publikationen in Büchern und Aufsätzen können hier nur wenige Beispiele genannt werden. Als Standardwerk gilt „Die Baltischen Länder Estland, Lettland und Litauen“, in dem der Bogen vom Mittelalter bis in die Gegenwart gespannt wird. Das 20. Jahrhundert spiegeln die beiden Bände „Deutschbalten, Weimarer Republik und Drittes Reich“, die Michael Garleff konzipiert und herausgegeben hat. Ihre Informationen und kritischen Reflexionen haben nicht nur für Deutschbalten den Rang einer Pflichtlektüre gewonnen. Wie sie sind auch seine Aufsätze und Vorträge Zeugnisse einer souveränen wissenschaftlichen Unabhängigkeit. Ob sie von den „Deutschen in der Geschichte der baltischen Länder“, von „Deutschbaltischer Politik zwischen den beiden Weltkriegen“ oder von deutschbaltischen Autoren „Zwischen Distanz und Anpassung“ im Dritten Reich handeln oder ob sie Lebensbilder von Paul Schiemann oder Edzard Schaper zeichnen – stets wahren sie das ausgewogene Verhältnis von Distanz und Empathie des Forschers. Der Würdigung seines Lehrers Georg von Rauch gab er den Titel „Zwischen Konfrontation und Kompromiss“. Ihn selbst ehrte eine internationale Autorengemeinschaft namhafter Wissenschaftler zu seinem 65. Geburtstag mit der Festschrift „Staatliche Einheit und nationale Vielfalt“.

Die Deutschbalten danken dem langjährigen Direktor des Bundesinstitutes für ostdeutsche Kultur und Geschichte und Hochschullehrer an der Universität Oldenburg auch für sein langjähriges, ehrenamtliches und engagiertes Wirken in ihren Vereinigungen: als Vorsitzender der Carl-Schirren-Gesellschaft und der Deutschbaltischen Kulturstiftung, als Träger der Deutschbaltischen Studienstiftung, als Herausgeber und Redakteur des Deutsch-Baltischen Jahrbuches, als Ideengeber und Veranstalter der jährlichen Wissenschaftlichen Seminare mit ihren Publikationen, als Mitglied des Gesamtvorstandes der Deutsch-Baltischen Gesellschaft, Vortragender bei ihren Kulturveranstaltungen und Autor ihrer Zeitschrift. Michael Garleff verkörpert eine Gelehrtenexistenz außerhalb des wissenschaftlichen Elfenbeinturms in der Mitte der Gesellschaft.

Mit der Verleihung ihres Kulturpreises dankt die Deutsch-Baltische Gesellschaft Prof. Dr. Michael Garleff für seine Forschungsbeiträge zum Baltikum und für sein gesellschaftliches Engagement in ihren Vereinigungen. (va)

Quelle: Mitteilungen aus baltischem Leben – 3/2015

Die Deutsch-Baltischen Gesellschaften