DEUTSCH-BALTISCHE GESELLSCHAFT

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  • Frühlingsball in Hamburg 2017
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  • Johannifest 2017 im Baltenhaus
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  • Internationale Kulturtage Mare Balticum 2016
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  • Das Haus der Deutsch-Baltischen Gesellschaft in Darmstadt
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  • Tallinn in Estland
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Domus Dorpatensis MBL

Uta Kührt

Im Herzen der Stadt

Die Domus Dorpatensis

In der vorigen Ausgabe wurde über die Arbeit der „Stiftung Wissenschaft und Kultur. Domus Dorpatensis“ berichtet, jetzt im Rahmen des Schwerpunktthemas über ihr sehenswertes Haus.

Das einzigartige Haus mit seiner interessanten Geschichte steht direkt neben dem Rathaus. Als einziges im Viertel blieb es vor den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs verschont und hat seine historische Authentizität bewahrt. Es steht unter Denkmalschutz und wurde 1997 in die Liste estnischer nationaler Denkmäler aufgenommen.

Das Grundstück war sicher bereits im Mittelalter bebaut. Auf einer Karte von 1682 ist dort ein kleines, eingeschossiges Haus verzeichnet, auf dem Stadtplan von 1763 – wie im ganzen Viertel – ein Steinhaus. 1784 standen dort zwei Häuser. Wie bei den meisten Häusern waren die Hofgebäude ursprünglich aus Holz. – Der U-förmige Komplex besteht heute aus drei miteinander verbundenen Gebäuden. Eine Seite geht zur Ülikooli-Straße hin, eine andere zum Rathausplatz und die dritte auf den Innenhof. Dieser ist von der Straße aus nicht zu sehen und hat eine eigene Hofeinfahrt. Der Gebäudeteil auf der Ecke Ülikooli-Straße/Rathausplatz war zweistöckig, ab Mitte des 19. Jh. dreistöckig. Das Mansardendach und die barocken Dachfenster bilden den ursprünglichsten Teil. Das steinerne Nebengebäude im Hof war eingeschossig, bis 1900 ein zweites Stockwerk hinzugefügt wurde. Mitte des 19. Jh. wurden im Hof Treppenaufgänge und fünf Holzschuppen errichtet. Diese sind heute nicht mehr erhalten.

1784 lassen sich die Besitzer feststellen. Bis 1792 gehörte es dem Ältermann Schumann, der es dem Schneidermeister J. Fr. Luetten für 3550 Rubel verkaufte. Gleichzeitig zahlte Luetten dem „Wiedererbauungs Collegium“ 1450 Rubel, woraus sich schließen lässt, dass das Haus nach dem Brand von 1775 mit Hilfe von Staatsdarlehen wieder aufgebaut wurde. 1844 überträgt Luetten Haus und Grundstück vertraglich dem Apotheker Wegener. 1849 kauft der Dorpater Kreisarzt Dr. Otto Georg von Rücker von Wegeners Erben die zwei Steinhäuser samt Nebengebäuden für 8000 Rubel.

Familie von Rücker nutzte das Haus als Wohnhaus. Die Hofgebäude dienten als Kutschenscheune und Pferdestall. 1851 lebten 34 Personen im Haus, darunter 11 Bedienstete. Mieter waren u. a. der Provisor Ludwig Sturm mit seiner Familie, der Wegener die Apotheke abgekauft hatte, und ein Professor Christiani. Von 1797 bis 1888 war im Haus eine Apotheke untergebracht. Ab 1927 stellte in diesen Räumen die Firma Richard Glassmann Schokolade her. Bis zur Enteignung durch die Sowjetmacht blieb das Haus im Besitz der Familie von Rücker. Während der Sowjetzeit befanden sich dort Wohnungen sowie verschiedene Geschäfte (Samenladen, Schuhmacherund Schneiderwerkstätten).

Umbau 1914

Nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit wurden die Rechte der Familie von Rücker wieder hergestellt. Da sie kein Interesse an einer privaten Nutzung hatte, widmete Prof. Dr. Alexander von Rücker es einem gesellschaftlichen, gemeinnützigen Zweck und gründete gemeinsam mit Nils Hollberg, als Vertreter des „Vereins zur Erhaltung baltischer Baudenkmäler“, und Prof. Jenik Radon die „Stiftung Wissenschaft und Kultur Domus Dorpatensis“. Das Haus bildete das Gründungskapital der Stiftung und gehört ihr seit 2002. Im Bewusstsein ihres deutschbaltischen Hintergrundes fördert sie die Entwicklung der estnischen Zivilgesellschaft und die Festigung der deutsch-estnischen Beziehungen. Im Haus wurden Seminarund Büroräume sowie Gästewohnungen eingerichtet. Vermietungen und Verpachtungen helfen mit, die inhaltliche Arbeit zu nanzieren. Haus, Stiftung und Gästewohnungen stehen Besuchern offen.

Quelle: Mitteilungen aus baltischem Leben – 4/2015

Die Deutsch-Baltischen Gesellschaften